Interview mit Roland Hofmann, CEO der TRITEC AG: „Die Mitarbeit der KMU ist essentiell für die Energiewende“

25. Oktober 2017

Mit der Annahme der Energiestrategie 2050 hat das Schweizer Stimmvolk den Grundstein für die Energiewende gelegt. Der Solarenergie wird dabei grosses Potential zugeschrieben. Roland Hofmann, CEO der TRITEC AG, erklärt im Interview, wie auch KMU mithilfe von Solarenergie zur Energiewende beitragen und gleichzeitig ihre Energiekosten senken.

Die TRITEC AG bietet seit über 20 Jahren Komponenten für Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und Wärmepumpen an. Mit einer Fläche von rund 38‘500m2, was sechs Fussballfeldern entspricht, realisierte das Unternehmen eines der grössten und leistungsstärksten Solarkraftwerke der Schweiz in Neuendorf (SO). Das Potential im KMU-Bereich ist riesig. Viele KMU in grossen Industriegebäuden haben freie Dachflächen, die für die Produktion von Solarenergie genutzt werden könnten.

1.   Schätzungen besagen, dass bis 2050 rund 30% des derzeitigen Strombedarfs durch Photovoltaik gedeckt sein wird. Wieso hat trotz des grossen Potentials nur ein kleiner Teil der Bauten in der Schweiz Solarpanels auf dem Dach?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Viele Privatpersonen und KMU wissen nicht, dass sie mit eigenen Solarpanels Geld einsparen könnten. Mit einer Photovoltaikanlage und einer Wärmepumpe würden sie schnell die Hälfte des eigenen Energieverbrauchs decken. Sie würden günstig selber Strom produzieren und müssten weniger bezahlen, als wenn sie Strom beim Energieversorger einkaufen. Weiter fehlen momentan wichtige Fördergelder, die einen zusätzlichen Anreiz für die Installation von Solarpanels schaffen würden.

2.   Inwiefern stellt gerade die Eigenstromversorgung mit Solarenergie einen Beitrag zur Energiewende dar?

Photovoltaikanlagen werden schnell und einfach umgesetzt. Benötigt wird nur ein Dach. Der Realisierungszeitraum von Projekten dauert bloss wenige Wochen. Und das Potential ist enorm. Die bestehenden AKW könnten mit erneuerbaren Energien problemlos ersetzt werden. Solarenergie stellt für mich den wichtigsten Beitrag zur Energiewende dar.

3.   Was sind die Vorteile einer eigenen Energielösung wie etwa einer Photovoltaikanlage?

Erstens stellt der Endverbraucher seine Energie lokal her. Auf seinem eigenen Dach produziert er den Strom, den er selber verbraucht. Zweitens macht er sich unabhängig von seinem Stromversorger. Auf diese Weise stabilisiert er seine Strompreise für die nächsten dreissig Jahre. Und drittens trägt er mit dieser ökologischen Produktionsart zur Energiewende bei.

4.   Gilt dies auch für KMU? Wie tragen sie zur Energiewende bei?

Die Mitarbeit der KMU ist für die Energiewende essentiell. Ein KMU hat in der Regel einen hohen Energieverbrauch. Dieser fällt vor allem am Tag an. Deshalb eignet sich eine eigene Photovoltaikanlage, denn diese produziert tagsüber Strom. Gerade Industriegebäude wie Fabrik- oder Kühlanlagen haben grosse Dachflächen, die sie ohne grossen Aufwand mit Solarpanels ausstatten könnten. Wollen wir die Energiewende schaffen, sind wir auf ihre Mitarbeit angewiesen.

5.   Wie viel könnten KMU mit einem eigenen Energiemanagement einsparen?

Die Einsparung mit einer Eigenverbrauchsanlage hängt von den momentanen Rahmenbedingungen des KMU ab. Wie viel Strom verbraucht das KMU? Wann fällt der Verbrauch zeitlich an? Wie hoch ist der Energiepreis, den das KMU bezahlt? Gerade dieser Preis, der nicht beeinflussbar ist, hat einen grossen Einfluss auf die Einsparung. Die Stromkosten können mit einem eigenen Energiemanagement bis zu 20% reduziert werden. Bezahlt das KMU einen hohen Energiepreis, kann die Einsparung auch über 20% liegen.

6.   Das eigene Energiemanagement ist jedoch auch für KMU zunächst mit Kosten verbunden. Ab wann rechnet sich die eigene Anlage respektive eine Investition in entsprechendes Equipment?

Die Amortisationszeit beträgt zwischen 12 und 20 Jahren. Wie bei den Einsparungen hängt auch diese Zahl stark von den momentanen Energiekosten und dem Eigenverbrauch ab. Die Solaranlagen sind über 30 Jahre in Betrieb, deshalb rentiert sich die Investition in jedem Fall. Der Stromverbrauch im KMU-Bereich ist zwar höher als in einem Einfamilienhaus, allerdings ist er besser planbar. Damit können KMU einen grösseren Eigenverbrauchsfaktor erreichen. Eine solche Investition muss aber nicht immer mit hohen Einstiegskosten verbunden sein. Wir vermieten unsere Komponenten auch, als eines der ersten Unternehmen überhaupt.

7.   Was sind die Vorteile dieser Mietoption gegenüber dem Kauf?

KMU oder Eigenheimbesitzer mieten die Solarpanels, die Wärmepumpe oder das Elektroauto und senken ihre Energiekosten ohne eine grössere finanzielle Investition zu tätigen. Sie sparen sofort einen Teil der Energiekosten. Unsere Mietoption erhalten sie für unter 100 Franken pro Monat. So bezahlen sie mit einer gemieteten Anlage weniger, als wenn sie die Energie beim Energieversorger einkaufen müssten.

8.   Wie ist TRITEC auf die Idee gekommen, Solarpanels und andere Komponenten zu vermieten?

Die Realisierung der eigenen Photovoltaikanlage hat sich bei einigen interessierten Kunden aufgrund der Finanzierung zerschlagen. Für diese Kunden haben wir nach anderen Lösungen gesucht. Die Energiewende darf nicht an der Finanzierung scheitern. Mit der Mietoption haben wir eine einfache und unkomplizierte Lösung gefunden. Neben den Solarpanels, der Wärmepumpe und dem elektrischen Speicher wird vor allem unser Elektroauto, der Renault Zoé, oft gemietet. Denn auch im Automobilmarkt, der sich schnell entwickelt, kommt diese flexible Lösung den Kunden entgegen.

9.   Welche Kunden ziehen die Mietlösung der Kaufoption vor?

Es gibt nicht der Kunde, der mietet statt kauft. Sowohl Endkunden wie auch KMU greifen auf die Mietlösung zurück. Es kommt immer auf die finanzielle Lage an. Aber gerade KMU bevorzugen häufig, die finanziellen Mittel nicht auf einmal aufbringen zu müssen. Sie mieten die Energielösung, investieren ohne Einbussen weiter in ihr Kerngeschäft und reduzieren gleichzeitig die Energiekosten vom ersten Tag an.

10.   Welche aktuellen Zukunftstendenzen für die Eigenstromversorgung gibt es?

Der wichtigste und zugleich grösste Trend ist die intelligente Vernetzung der Energiekomponenten. Ziel ist, den Eigenverbrauch zu optimieren. Zuerst werden die Komponenten im eigenen Haus miteinander verbunden. Anschliessend wird das Haus mit dem umliegenden Quartier vernetzt und schlussendlich ist die ganze Stadt intelligent verbunden. So gewährleisten wir eine ausgeglichene und stabile Energieversorgung durch lokale Produktion.

11.   Wie versucht TRITEC diese Tendenzen aufzugreifen?

Wir haben mit „my-energy“ neue Produkte auf den Markt gebracht. Diese massgeschneiderte Lösung beinhaltet je nach Bedürfnis die Photovoltaikanlage, den Stromspeicher, die Wärmepumpe mit Wasserspeicher, das Elektroauto mit Ladestation sowie ein Servicekomplettpaket. Auch ein intelligentes Energiemanagement, genannt „APIO“, gehört dazu. Dieses vernetzt die Komponenten untereinander und steuert sie. Es optimiert den Energieverbrauch mit dem Ziel, die Energiekosten zu senken. Mithilfe einer App sieht der Verbraucher jederzeit, wie viel Strom er produziert und wo er ihn verbraucht. Das alles bieten wir aus einer Hand an, sodass der Kunde nur einen Ansprechpartner hat.

12.   Der «grüne» Strommarkt ist gerade im Zuge der beschlossenen Energiestrategie ein Wachstumsmarkt. Inwiefern stellt dies eine Chance für die Schweiz dar – im Sinne von Arbeitsplätzen, technologischer Vorreiterrolle, Innovation, etc.?

Der hiesige Energieverbrauch hängt momentan stark vom Ausland ab. Wir beziehen etwa Öl oder Erdgas für die Heizung oder das Benzin für die Mobilität zu grossen Teilen aus dem Ausland. Ein bedeutender Anteil der Energieproduktion, speziell im Wärmebereich, könnten wir jedoch in der Schweiz sicherstellen. Dies hätte Arbeitsplätze und Innovationen zur Folge. Gerade für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 ist noch vieles unklar. Hier ist Agilität gefragt. Das ist unsere Chance, Lösungen weiterzuentwickeln und auszuprobieren. Ende der 1990er Jahre war die Schweiz europaweit führend im Bereich der Photovoltaik. Diesen Platz haben wir längst verloren. Schaffen wir die Energiewende, sind wir wieder ganz vorne mit dabei.

13.   Wo bestehen derzeit noch Hürden? Wie können diese überwunden werden, um die Energiewende zu schaffen?

Mit der Annahme der Energiestrategie 2050 haben wir einen ersten grossen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Die Stimmung im Markt ist positiv. Wir stossen mit unserer Gesamtenergielösung auf offene Türen. Wichtig ist, dass nun entsprechende Fördergelder gesprochen werden, um die anstehenden Projekte in absehbarer Zeit zu realisieren. Mit den momentan zur Verfügung stehenden Fördergeldern warten Endverbraucher und KMU sehr lange auf die Realisierung ihrer Projekte. Ein zweites Massnahmenpaket würde helfen, die Finanzierung sicherzustellen. Es würde einen Anreiz schaffen, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ist die Energiewende bis 2050 problemlos möglich.

Dieses Interview ist erstmals in der „UnternehmerZeitung“, der Zeitung für Geschäftsführer und Firmeninhaber in der Deutschschweiz, erschienen. Infos: unternehmerzeitung.ch